Hier einige Fallberichte aus unserem Praxisalltag:
Dieser Fallbericht wurde bereits im Vet-Journal (Fachzeitschrift für Veterinäre) als auch auf www.horse-today.de veröffentlicht!!Außergewöhnliche/Seltene Fälle:
Vorbericht: Uns wurde ein Pferd mit einer Lahmheit 3.Gardes (Zehenspitzenfußung) vorgestellt.
Untersuchung:
Der Huf war vermehrt warm
und auf Druck
extrem empfindlich. Die Pulsation der Hauptmittelfußarterie
war
verstärkt. Dies ist immer ein Zeichen einer
Entzündung im
Zehenbereich. Bei der Untersuchung mit der Hufuntersuchungszange
reagierte das Pferd besonders im lateralen (äußeren)
Sohlenbereich mit einer starken Schmerzreaktion. Daraufhin schnitten
wir mit dem Rinnmesser die Sohle nach um eventuelle
Veränderungen
zu sehen. Es
trat nach ein paar
Schnitten plötzlich weisslicher Eiter im Strahl aus.
Behandlung:
Mit dem nachlassen des
Drucks liess auch die Schmerzhaftigkeit
nach. Jedoch handelte es sich
hier um eine
tiefe Pododermatitis
purulenta, d.h., dass auch tiefere Strukturen durch den Eiter
eingeschmolzen waren und die einzige Behandlungs
möglichkeit
war eine
Hornlückenoperation, welche auch
sofort durchgeführt
wurde:
Das Pferd wurde gut sediert,
es bekam eine
Leitungsanästhesie um
den OP-Bereich
schmerzfrei zu bekommen,
weiters wurde ein
Stauschlauch in der Fesselbeuge angelegt um die Blutung
zu reduzieren. Dann eröffneten wir einen ca 50Cent
großen Bereich der Sohle bis auf die Matrix (das Leben).
Nekrotisches Gewebe wurde entfernt und wir spülten den Huf
mehrmals mit verdünnter Jodlösung. Außerdem
wurde der
Huf mehrmals in einem mit lauwarmer Jodlösung
gefüllten
Kübel gebadet.
Anschließend wurde ein steriler Druckverband angelegt. Dieser
Schritt ist besonders wichtig um einen Matrixvorfall zu verhindern.
Natürlich bekam das Pferd eine Tetanusprophylaxe,
Entzündungshemmer und Schmerzmittel, sowie über
einige Tage
Antibiotika. Zunächst wurde der Verband alle 2 dann alle 4
Tage
gewechselt.
Schliesslich war der Defekt mit Narbenhorn bedeckt und es konnte wieder mit leichter Belastung begonnen werden.
Vorbericht: Das Pferd wurde mit einer offenen Wunde im linken Brustbereich auf der Koppel vorgefunden und blutete sehr stark.
Untersuchung:
Die Wunde war ca.
20cm lang und ca 10cm breit.
Sie blutete, besonders bei Bewegung des Pferdes;
weiters war sie extrem tief, d.h. mind. 15cm. Zum
Glück war die Brusthöhle nicht eröffnet
worden. Mit jedem Schritt saugte die Wunde Luft an, was man
auch hören konnte, und es entwickelte sich dadurch ein
Emphysem unter der Haut.
Das Pferd wurde stark sediert und ein Wunddebridement wurde durchgeführt. Aufgrund der Tatsache, dass die Wunde schon mehrere Stunden alt war und die Verschmutzung auch sehr tief reichte, konnte sie nicht genäht werden.
Nach der sorgfältigen Wundversorgung stellte sich ein weiteres Problem dar: Ein Verband der hier notwendig gewesen wäre konnte durch die Lage nicht angefertigt werden. Darum mussten wir die Wunde offen lassen und die Besitzer genau einweisen, wie sie die Wunde mehrmals täglich reinigen/spülen.
Natürlich waren hier Antibiotika indiziert, sowie Entzündungshemmer.
Weiters bekam das Pferd bis auf weiteres Boxenruhe verordnet (ca. 1 Monat).
Ergebnis:
Durch
das sorgfältige Wunddebridement und die hervorragende weitere
Wundreinigung seitens der Besitzer war die Wunde bereits nach 5 Wochen
verheilt. Das ist äußerst schnell, wenn man die
Größe, Tiefe, und Lage (ständig Bewegung in
der Achselgegend) der Wunde berücksichtigt.
Fazit: Je schneller man bei Verletzungen den Tierarzt ruft, umso besser und kürzer ist der Heilungsverlauf!
Vorbericht: Besitzer war am Vortag im Gelände unterwegs; am nächsten Tag war das Pferd lahm.
Untersuchung: Am stehenden Pferd: Es waren keine offensichtlichen Verletzungen oder Umfangsvermehrungen sichtbar. Sehr flache Hufe von schlechter Qualität und eine sehr weiche Fesselung fielen uns sofort auf.
In der Bewegung: Stützbeinlahmheit mittleren 2. Grades vorne links.
Abb.1:
Vortraben auf weichem
Boden
Gliedmaßenuntersuchung: Das Pferd reagierte mit einer deutlichen Schmerzreaktion auf die Palpation mit der Hufuntersuchungszange. Die weitere Gliedmaßenuntersuchung ergab keine besonderen Auffälligkeiten.
Weiterführende Untersuchungen:
diagnostische Anästhesien:
Abb.2.: diagnostische
Anästhesie der
Nervi digitales palmares med. et lat.
Die diagnostische Injektion stellt häufig einen wichtigen Teil des orthopädischen Untersuchungsganges dar. Es ist möglich durch gezielte Blockaden Nerven "auszuschalten", d.h. gefühlslos zu machen. Kommt nun der Schmerz aus jenem Bereich den diese Nerven versorgen, so ist das Pferd nach der Anästhesie schmerzfrei (und lahmt nicht mehr). So ist es möglich den erkrankten Bereich genau zu lokalisieren.
Bei diesem Pferd wurden jene Nerven anästhesiert, die einen Großteil des Hufes versorgen. Beim nochmaligem Vortraben war die Lahmheit nicht mehr vorhanden und die diagnostische Anästhesie damit als positiv zu beurteilen.
Röntgen:
Der in Frage kommende Bereich wurde anschließend geröngt. Dies ist durchaus sinnvoll um andere Erkrankungen (z.B.: Hufrolle, Hufbeinfraktur,...) ausschließen zu können.
Bei diesem Pferd waren die Röntgenbilder ohne besonderen Befund.
Verdachtsdiagnose: Durch das Eisen bedingter Sohlendruck.
Therapie: Eisenabnahme und Korrekturbeschlag durch den Hufschmied (Anschleifen des Eisens um den Druck von der Sohle zu nehmen).
Entzündungshemmer über 5 Tage.
Vorbericht:
Speedy, ein Shetty Wallach, geht seit ca. 5 Monaten im Trab lahm. Mit großer Wahrscheinlichkeit hatte er einen Tritt von einem anderen Pferd abbekommen. Das Kniegelenk zeigte seit dem eine deutliche Schwellung. Es waren bereits andere Tierärzte zugezogen worden; Auch Chiropraktisch wurde Speedy behandelt, jedoch ohne zufriedenstellender Diagnose bzw. Behandlungserfolg.
Speedy wurde von uns orthopädisch untersucht und folgende Befunde wurden erhoben:
Behandlung:
Da schon einige Behandlungen durchgeführt wurden, entschlossen wir uns für eine Kniegelenksinjektion.
Kontrolluntersuchung:
2 Wochen
später wurde
eine Kontrolluntersuchung durchgeführt: Die Lahmheit hatte
sich nur ggr.
gebessert.
Es wurde daraufhin eine
Osteopathische Behandlung
durchgeführt:
Siehe da im Zuge dieser Behandlung wurde die wahre Ursache der Lahmheit gefunden:
Eine Ruptur
des Musculus fibularis tertius!
Bei dieser Erkrankung lässt
sich das Sprunggelenk nach
hinten durchstrecken und das Kniegelenk dabei gleichzeitig ohne
Widerstand
beugen! Dies ist beim gesunden Pferd anatomisch nicht möglich!
Diese Diagnose ist aufgrund seines klinischen Bildes eindeutig!
Jedoch ist in manchen Fällen die schulmedizinische Denkweise oft zu eingeengt und macht deutlich wie sinnvoll eine gute osteopathische Behandlung ist!
Weitere Behandlung:
Diese Erkrankung bedeutet eine längere (ca. 12 Monate) Rekonvaleszenz.
Speedy erhält weiters ein spezielles Zusatzfuttermittel für Muskelerkrankungen.
Vorbericht:
Die
Shetlandponystute
“Beauty” leidet schon seit längerem an
massiver Schuppen/Krustenbildung mit Juckreiz. Es waren schon einige
Tierärzte
zu Rate gezogen worden, jedoch stets ohne oder mit unbefriedigender
Diagnose
bzw. Therapie.
Untersuchung:
Der gesamte Körper war übersäht mit Krusten und Schuppen sowie multiplen Hautläsionen.
Weiters war „Beauty“ extrem berührungsempfindlich und es war für den Besitzer nicht mehr möglich Sie zu putzen.
Wir nahmen Ihr Blut ab, da dies noch
nicht gemacht wurde,
und es zeigten sich sehr viele
abweichende Parameter, u.a. war das
Gesamteiweis
massiv erhöht.
Daraufhin starteten wir in Zusammenarbeit mit der Uniklinik weitere Untersuchungen: Es wurde ein Hautgeschabsel und eine Biopsie angefertigt und von der VUW in ein Speziallabor im Ausland geschickt.
Laborergebnis:
„Pemphigus
foliaceus“
Hierbei
handelt es sich um eine seltene Autoimmunerkrankung, das
heißt der Körper
bildet
aus unbekannten Gründen plötzlich Abwehrstoffe gegen
körpereigene Substanzen.
Im Falle des Pemphigus foliaceus (PF) richten sich die
Antikörper
gegen
Eiweißsubstanzen, die für den Zusammenhalt der
Hautzellen
untereinander
verantwortlich sind.
Die Folge ist ein Auseinanderweichen der Hautzellen, es entstehen zunächst Bläschen, welche jedoch meist nicht wahrgenommen werden. In der Folge kommt es zur Krustenbildung. Dann lösen sich die Krusten mitsamt einem Teil der oberflächlichen Hautschicht und den Haaren ab. Neben diesen lokalen Reaktionen an der Haut findet man häufig auch generalisierte Symptome. Zudiesen gehören: Ödeme (Schwellungen) an Beinen, Unterbauch und Genitalien, Fieberschübe, Mattigkeit, Leistungsminderung, Gewichtsverlust, Lymphknotenschwellungen und manchmal auch Juckreiz oder Schmerzhaftigkeit.
Therapie:
„Beauty“ bekommt nun, wahrscheinlich lebenslang, eine „Kortisontherapie“. Dies ist zur Zeit die einzige mögliche Therapie.
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